Künstliche Intelligenz (KI) treibt die Digitalisierung voran

Autor: Marion Jörg.

Softwareroboter sind in aller Munde. Unterstützt durch KI-Technologie sollen sie Verwaltungsprozesse automatisieren und der Digitalisierung einen Schub geben. So rollte mit Robotic Process Automation die nächste große Welle – nach den ERP-Systemen – in die Unternehmen. Das Thema gewinnt in Deutschland an Fahrt und bildet die nächste Innovationsstufe der Geschäftsprozessautomatisierung. Einschlägigen Studien zufolge wird diesem jungen Markt für Robotic Process Automation (RPA) ein milliardenschweres Umsatzvolumen zugetraut. Schenkt man aktuellen Prognosen Glauben, werden die Umsätze bis 2020 von zuletzt 183 Millionen auf rund fünf Milliarden Dollar wachsen.

Aber wie soll das funktionieren? Wie sollen Mitarbeiter ersetzt werden? Sollen Roboter an die Bildschirme gesetzt werden? Neben den bereits durch ERP-, Office- und BPM-Systeme digitalisierten Tätigkeiten gibt es noch jede Menge zu automatisierende Workflows. Dazu gehören die klassische manuelle Sachbearbeitung ebenso wie Unterstützungs-, Vorbereitungs- und Bedienungstätigkeiten, wie sie in fast jedem Unternehmen anfallen. Hier funktioniert der Verzicht auf die menschliche Arbeitskraft nicht. So automatisieren KI-Lösungen lediglich Arbeitsabläufe in Unternehmen – schnell, präzise und kostengünstig. Indem sie Daten erfassen, sortieren und verteilen, helfen sie Unternehmen Routinevorgänge von Einzelfällen zu unterscheiden. Eingehende Nachrichten werden dank selbstlernender Algorithmen automatisch vom System beantwortet. Der Vorteil: Unternehmen sparen Zeit, Sachbearbeiter können sich anspruchsvolleren Aufgaben zuwenden und der Kunde erhält in kürzester Zeit eine qualifizierte Antwort – so wie er es erwartet.

Was steckt hinter Robotic Process Automation?

Wie so häufig in frühen Marktphasen gibt es noch keine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs Robotic Process Automation. Daher wird in dem Zusammenhang häufig von der „Weiterentwicklung der klassischen Prozessautomatisierung“ gesprochen. Ein RPA-System simuliert demnach, wie Menschen einzelne Bedienungsmasken oder auch ganze Geschäftsprozesse bedienen. Dazu werden Softwareroboter eingesetzt, die vom Anwender lernen, Benutzerschnittstellen zu verwenden. Zur Bedienung einer Software nutzen sie eine virtuelle Tastatur und eine Maus.

Einen Schritt weiter gehen kognitive RPA-Systeme. Mithilfe von KI sollen sie in der Lage sein, das Anwenderverhalten auch in komplexeren Situationen zu replizieren. Sie können Expertenwissen einbringen und verfügen über Fähigkeiten der „natürlichsprachigen“ Kommunikation.

Sogenannte intelligente RPA-Systeme sind sogar lernfähig. Sie können Prozesse weitgehend selbständig abbilden, ohne für einen bestimmten Prozess vorkonfiguriert oder programmiert worden zu sein.

Künstliche Intelligenz ist also der Turbo für automatisierte Prozesse

Nicht nur im Kontext der Prozessoptimierung und -automatisierung wird die wachsende Rolle der Künstlichen Intelligenz hervorgehoben. Wolfgang Wahlster, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), sieht in KI-Technologien den „Treiber der zweiten Digitalisierungswelle.“ In der ersten Welle sei es darum gegangen, digitale Daten zu erfassen, zu speichern, zu übertragen und zu verarbeiten, erläutert der Wissenschaftler. Nun aber müssten Unternehmen dazu übergehen, Daten zu verstehen, zu veredeln und am Ende zu monetarisieren. Anders ausgedrückt: Aus maschinenlesbaren Daten müssten „maschinenverstehbare Daten“ werden. Das sei nur mit Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen zu schaffen.

Dies alles ist erst der Anfang. Was vor einigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, ist heute faktische Realität. Es bleibt spannend, wie sich die nächsten Jahre entwickeln werden. Denn neben der Beschleunigung von Prozessen geht es mehr und mehr darum, Prozesse flexibel zu gestalten und situativ handeln zu können.

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